
Als ich die Verpackung von „Dragon Quest Monsters: Joker 2“ aufmachte, erinnerte ich mich spontan daran, dass ich das gleiche schon vor rund zehn Jahren gemacht habe: Damals hieß das Spiel noch „Dragon Warrior Monsters“ und es war für den Game Boy Color.„Pokémon“ kam etwa zur gleichen Zeit auf den Markt, doch war es noch nicht so bekannt wie heute. Wenn ich jetzt mit meinen besten Freund über „Dragon Quest Monsters“ spreche, können wir uns noch sehr gut an die unzähligen Stunden, die wir mit dem Spiel verbracht haben, zurückerinnern. Die Spiele-Serie selbst ist ein Spin-off zu Dragon Quest, und hat auch schon stolze dreizehn Jahre auf dem Buckel. Ähnlich wie bei Pokémon wird mit Monstern gegen andere gekämpft. Welche Übereinstimmungen das Spiel aber tatsächlich mit den beliebten kleinen Taschenmonstern aufweist, könnt ihr in diesem Review nachlesen.
Du bist ein Monsterscout
Ein Spiel, bei dem man als Hauptaufgabe Monster sammelt und trainiert, muss sich eigentlich immer – ob gewollt oder nicht - mit dem bekanntesten dieses Genres messen: „Pokémon“. Obwohl beide Spiele einige Parallelen aufweisen, unterscheiden sie sich in einigen wichtigen Punkten: Beginnen wir bei der Geschichte:
Ihr, als namenloser, junger Held, träumt davon an der großen Monsterscout-Meisterschaft teilzunehmen, doch für euch ist die aufwendige Reise dahin zu teuer. Als blinder Passagier in einer ziemlich alten Flugmaschine wollt ihr trotzdem hinkommen, schließlich habt ihr große Ambitionen und wollt Monster Champion werden. Dumm nur, dass ihr trotz eures guten Verstecks in einer Holzkiste frühzeitig entdeckt werdet und nun als Schiffsjunge arbeiten müsst. Eure Erfahrung als Lehrling ist jedoch nur von kurzer Dauer, denn noch zu allen Überfluss stürzt das Luftschiff dank eines mysteriösen Sturms ab und ihr landet zusammen mit dem Rest der Passagiere auf einer einsamen Insel. Ab jetzt gilt es den Käpt'n und die anderen zu finden und zurück auf das zerstörte Wrack zu bringen. Außerdem müsst ihr einen Weg finden, von der Insel wieder wegzukommen. Schon nach wenigen Minuten bekommt ihr euer erstes Monster und euer Abenteuer beginnt.
Das ist der Anfang der Story, und es folgen noch einige weitere Abenteuer und Begegnungen mit wilden Monstern, Kreaturen und Geister. Gleich vorneweg: Die Geschichte ist nicht die große Stärke des Spiels: Es fehlen spannende Charaktere und eine packende Story. Selbst der Protagonist wirkt nicht richtig authentisch und motiviert. Auch wenn, sowohl bei „Pokémon“, als auch bei „Dragon Quest Monsters: Joker 2“, beide Helden als Ziel haben Monster Champion zu werden, wirkt die Story bei „Pokémon“ deutlich interessanter und durchdachter. Wer sich also eine mitreißende Geschichte erwartet, wird von „Dragon Quest Monsters: Joker 2“ eher enttäuscht sein, doch die wirkliche Stärke des Spiels liegt in einem anderen Bereich: Dem Game
play.
Beginnen wir damit, dass es bei „Dragon Quest Monsters: Joker 2“ keine Zufallskämpfe gibt. Durch gezieltes Ausweichen könnt ihr Auseinandersetzungen entgehen, umgekehrt habt ihr natürlich ebenso die Möglichkeit bestimmte Kämpfe absichtlich zu absolvieren. Ihr tretet mit bis zu drei Kreaturen gleichzeitig in runden basierenden Kämpfen an, wobei ihr insgesamt sechs Monster mit euch führen könnt, die ihr auch innerhalb des Kampfes zu jedem Zeitpunkt austauschen könnt. Zwar kann man bei „Pokémon“ auch mit bis zu drei der Taschenmonster kämpfen, doch im Normalfall wird es beim Einzelkampf bleiben. So ergeben sich in „Dragon Quest Monsters“ durch die andauernden Multikämpfe, wechselnde Strategien: So können zum Beispiel Techniken, die mehrere Gegner gleichzeitig betreffen stärker sein, umgekehrt ist ein starker Einzelkämpfer oft ebenso wichtig, um einzelne Monster gezielt schneller auszuschalten. Eine gute Mischung und Kombination von Strategien kann essentiell sein. Ihr habt weiters die Möglichkeit zu entscheiden, ob ihr euren Monstern direkt Befehle erteilt oder sie einfach kämpfen lässt. Im zweiten Fall könnt ihr euren Kreaturen gewisse Grundeinstellungen mitgeben: „Gnadenlos sein“, „Flexibel sein“, „Wunden heilen“ oder „Keine Magie“. Dies erleichtert euch das Trainieren eurer Monster, wenn ihr einige eher belanglose Kämpfe absolvieren müsst und beschleunigt diese ungemein. Nach jedem Kampf bekommen eure Monster Erfahrungspunkte, die die Level der Kreaturen steigern und alle paar Level erhalten eure Kreaturen Talentpunkte, die ihr in einen Talent-“Baum“ investieren kann. Eigentlich sollte man sich diesen Baum eher als Ast vorstellen, da dieser geradlinig ist und keine Abzweigungen hat. Dafür haben eure Monster auch meistens zumindest drei dieser Talent-Äste.
Kreaturen werden bei „Dragon Quest Monsters“ nicht gefangen, sie werden angeworben, indem sich die Mitglieder eures Teams aufplustern. Je stärker diese sind, desto mehr füllt sich ein runder Balken mit einer Prozentzahl, die eure Chance angibt. So kann es passieren, dass euch schon ein Monster folgt, obwohl ihr nur zwischen zehn und zwanzig Prozent habt, genauso kann es euch aber auch passieren, dass ihr, obwohl euer Team über 80 Prozent erreicht, es trotzdem nicht anwerben könnt. Dies kann man als Spieler nicht beeinflussen und ist vom jeweiligen Glück oder Pech abhängig. Einerseits kann dieses System bei viel Unglück zu Frustrationen führen, doch im Normalfall ist es sehr ausgeglichen oder sogar vorteilhaft. Etwas strategischer präsentiert sich hier jedoch die Pokémon-Serie, wo man das gewünschte Monster möglichst schwächt oder sogar eine Statusveränderung bewirkt um die Chance zu erhöhen. Die Chance seltene Monster zu fangen, ist jedoch in beiden Spiele-Serien geringer als bei normalen. Unterschiedliche Wetterbedingungen und andere Tageszeiten sehen nicht nur schön aus - Auch trifft man so auf neue Monster: Ein mehrfacher Besuch der selben Karte zahlt sich also aus.